Gemeinschaftspraxis und Tagesklinik

Solveig Jensen-Memming & Dr. Björn Brunke

Fachärzte für Gynäkologie und Geburtshilfe

  

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Chlamydien-Infektionen

Durch Chlamydia trachomatis hervorgerufene, schnell übertragbare Infektionskrankheiten stellen ein erhebliches gesundheitsgefährdendes Potential in unserer Gesellschaft dar.
Für 1993 werden etwa 500000 Erkrankungen in Deutschland und circa  4 Millionen in den USA geschätzt. Die häufige Symptomarmut  dürfte dazu beitragen, daß den Chlamydien zuwenig Beachtung geschenkt wird. Jedoch führen sie unbehandelt nach chronischem Verlauf häufig zu schwerwiegenden Schäden im Bereich des Genitale und in seltenen Fällen auch zu Gelenkentzündungen.
Chlamydien, früher als große Viren bezeichnet, zählen heute eindeutig zu den Bakterien, die jedoch wegen des Fehlens wichtiger Enzymsysteme nur in lebenden Wirtszellen vermehrungsfähig sind. Sie sind bereits in sehr vielen Organen nachgewiesen worden, jedoch überwiegen in den gemäßigten Breiten eindeutig Krankheitsbilder der Sexualorgane und der Harnwege.
Bereits vor 3500 Jahren wurde im Papyrus Eber eine Chlamydien – induzierte Augenerkrankung, das Trachom, erwähnt. Diese sog. Körnerkrankheit führte oftmals zur Erblindung. Erst im Jahre 1907 wurde beim Trachom erkannt, dass es sich um eine durch intrazelluläre Parasiten verursachte Krankheit handelt.
Der direkte Nachweis von Chlamydien, früher nur in Speziallabors möglich, wurde wesentlich durch die gentechnische Herstellung monoklonaler Antikörper erleichtert. Diese lagern sich im fixierten Abstrich den Chlamydien an und werden anschließend mit Fluoreszenzfarbstoffen gekoppelt. So sind die Chlamydien im Spezialmikroskop sichtbar  zu machen.
Am erfolgreichsten für den Nachweis ist der Abstrich aus dem Gebärmutterhals, deutlich seltener sind tiefe Harn-Röhrenabstriche erfolgreich.
Infektionen des weiblichen Genitaltraktes mit Chlamydien verlaufen aufsteigend. Daher ist die Entzündung des Gebärmutterhalses die am häufigste auftretende Erkrankung. Im weiteren Verlauf kommt es dann oft zu Entzündungen der Gebärmutterschleimhaut (Endometritis) und der Eileiter (Adnexitis).
Eine schwerwiegende Folge stellt der teilweise oder vollständige Verschluß der Eileiter dar, woraus Kinderlosigkeit oder vermehrte Eileiterschwangerschaften resultieren.
Typische Erkrankungen durch Chlamydien sind auch Harnröhrenentzündungen
(die beim Mann Prostatitis und Nebenhodenentzündungen zur Folge haben können), Entzündungen der großen Vorhofdrüsen (Bartholinischer Abzeß), Halsentzündungen ohne Schnupfenerscheinungen (Pharyngitis) und akute Entzündungen der Leberkapsel  (Perihepatitis).
Eine weitere schwerwiegende Folgeerkrankung stellt die Bindehautentzündung beim Neugeborenen dar. Da ein Drittel der infizierten Kinder innerhalb der ersten 6 Lebensmonate auch eine Lungenentzündung (Pneumonie) entwickeln, ist die vorbeugende Untersuchung bei der Schwangeren wichtig. ( z.Z. Vorsorgeleistung der Krankenkassen  1x  nach Feststellung der Schwangerschaft) Ebenso kann vorzeitige Wehentätigkeit eine Folge einer Chlamydien-Infektion sein.
 
 
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