Gemeinschaftspraxis und Tagesklinik

Solveig Jensen-Memming & Dr. Björn Brunke

Fachärzte für Gynäkologie und Geburtshilfe

  

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Hormonersatztherapie

Hormonersatztherapie hat bedeutende Einflüsse bei:

bullet Klimakterischen Beschwerden (Hitzewallungen, Schweißausbrüche, Schlafstörungen, Gelenkschmerzen )
bullet Reduktion von Darmkrebs
bullet Osteoporoseprophylaxe
bullet Herzinfarktprophylaxe
bullet Cholesterinverbesserung ( LDL ↓ und HDL ↑ )
bullet Haarausfall
bullet Klimakterischer Hypertonie (noch kein Beweis durch Prospektivstudien)
bullet Trockenem Auge
bullet Verbesserung der Scheidenfunktion
bullet Verbesserung der Blasenfunktion
bullet Verbesserung der klimakterischen Depression
bullet Stimmungsaufhellung
bullet Alzheimer Erkrankung

Nachdem sich die große Aufregung über die sehr einseitige Interpretation der WHI-Studie gelegt hat, ist es Zeit, auch die anderen Ergebnisse der Hormonforschung zur Kenntnis zu nehmen.
 
So wurde inzwischen der WHI- Studienarm mit Östrogen- Monotherapie veröffentlicht: im Gegensatz zur kontinuierlichen Gabe von Östrogenen mit dem Gestagen MPA hatten in der Nur-Östrogentherapie die behandelten Frauen 22% weniger Brustkrebsfälle. In einer französischen Studie mit 3150 Frauen ( 8 Jahre Studienzeit) gab es bei der Behandlung von Östrogenen mit Progesteronen keine zusätzlichen Brustkrebsfälle. Und auch die thromboembolischen Ereignisse lassen sich vermeiden, wenn man früh, mit Beginn der Wechseljahre, bei noch gesundem Gefäßsystem mit der Hormongabe startet und niedrige Östrogendosen, vor allem über die Haut, appliziert.
 
Die Vorteile einer Hormonersatztherapie bei der Frau sind bereits in den vergangenen 30 Jahren gut erforscht, wenn auch nicht in allen Fällen durch prospektive Doppelblindstudien belegt.
Für die Frage des Einflusses der Östrogene, z.B. auf die Alzheimersche Erkrankung, würde dies eine Doppelblindstudie über 30 Jahre erfordern. Hier wird man sich bis auf weiteres mit Retrospektivstudien zufrieden geben müssen, die allerdings eine deutliche Reduktion für diese Erkrankung zeigen.
Viele Störungen nach den Wechseljahren lassen sich jeweils auch nichthormonell behandeln, aber oft mit Nebenwirkungen und sehr viel schlechter erforschten Präparaten.
Pflanzliche Präparate versagen leider komplett bei den typischen Beschwerden wie Hitzewallungen und Schweißausbrüchen.
Nur mit Östrogenen vermag man eine solche Vielfalt vorteilhafter Verbesserungen der Lebensqualität zu erreichen.
Schon in der WHI-Studie bei kombinierter Östrogen-Gestagen-Gabe zeigt sich ein 30% -iger Rückgang der Knochenbrüche und  auch der Darmkrebsfälle.
Die Östrogentherapie ist keine Indikation mehr für die Osteoporose, aber die Osteoporoseprophylaxe  gelingt in der Kombination mit Calciumgaben und körperlicher Aktivität sehr wohl.
Die Verbesserung der Cholesterinfraktionen mit Senkung des LDL- und Erhöhung des HDL-Cholesterins ist gesichert.
Eine Metaanalyse von 20 Studien belegt eine bis zu 50%-ige Reduktion der Herzinfarktraten im Alter zwischen 50 und 60 Jahren.
Eine in den Wechseljahren entstandene Bluthochdruckerkrankung lässt sich sehr oft, ebenso wie eine Depression in diesem Alter, allein mit Östrogengabe beseitigen oder erheblich bessern.
Weiterhin gibt es eine starke Beeinträchtigung der Lebensqualität durch Haarausfall, trockenem Auge, trockene Scheide und Blasenfunktionsstörungen. Alle diese Störungen werden durch eine Östrogentherapie beseitigen oder stark verbessert.
Daneben haben die Östrogene aber auch noch eine deutliche Wirkung auf die Hirnfunktion, wie messbare Verbesserung des Kurzzeitgedächtnisses und deutliche Stimmungsaufhellung.
 
Es gibt ganz klare Kontraindikationen für die Hormonersatztherapie. Wo diese aber nicht bestehen, verzichten Frauen in und nach den Wechseljahren mit dem Weglassen der Östrogene meines Erachtens auf Lebensqualität.
 
Welche Gründe hinter der Ablehnung der Krankenkassen stehen, die Kosten für die Hormontherapie zu übernehmen, kann im Einzelnen vom niedergelassenen Arzt nicht eruiert werden. Es bleibt daher ein Unverständnis für die Aussagen der Kostenerstatter bestehen und dafür, warum mit einer überholten Studie unnötige Ängste unter den Patientinnen geschürt wurden. Wir wollen nicht annehmen, dass dies rein wirtschaftlichen Erwägungen unterliegt.
 
Die Frage des Für und Wider der Hormonersatztherapie und derArt der Anwendung und der Dosis muss immer individuell zwischen Arzt und Patientin geklärt werden.
 
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